Schulsozialarbeit

MAZ  24.10.2018 16:06 Uhr / Artikel veröffentlicht: 25.10.2018 – Seite 14

Matthias Nobre de Farias Bölle ist neuer Schulsozialarbeiter an der Kooperations­schule in Friesack. Der 30-Jährige kann auf einige Erfahrungen zurückblicken und startet mit konkreten Ideen in den Job.

 

Matthias Nobre de Farias Bölle ist neuer Schulsozialarbeiter an der Kooperationsschule Friesack Quelle: Christin Schmidt

 

In Rathenow ist er in Sachen Jugendarbeit schon lange kein Unbekannter. 2012 trat Matthias Nobre de Farias Bölle, der damals noch einen kürzen Namen hatte, die Arbeit als Jugendkoordinator und Streetworker in Rathenow an. Später über­nahm er die Stelle als Schulsozialarbeiter an der Weinberg-Grundschule und schließlich kümmerte er sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Nun hat der inzwischen 30-Jährige die havelländische Kreisstadt verlassen und in Friesack seine neue berufliche Heimat gefunden. Seit 1. Oktober ist er Schul­sozialarbeiter an der Kooperationsschule in Friesack.

Träger der geförderten Stelle, eine sogenannte PKR-Stelle (die Abkürzung steht für Personalkostenrichtlinie) ist der Verein Ländliche Erwachsenenbildung Brandenburg (LEB).

Bölles erster Eindruck: „Die Schule hat mir einen hervorragenden Start ermöglicht. Die Leitung hat ein gutes Verständnis dafür, was Schulsozialarbeit ist und was sie leisten kann. Ich bin hier wirklich offene Türen eingerannt“, schwärmt der 30-Jährige.

Von der Straße in die Schule

Nach dem Studium in Sozialer Arbeit trat Matthias Bölle 2012 die Stelle als Jugendkoordinator in Rathenow an, die er sich mit Tilo Windt teilte.

Zudem war er gemeinsam mit Kathrin Wittek als Streetworker in der Stadt unter­wegs. Weil die Stelle nicht verlängert wurde, verließ er 2014 die Heimat und erkun­dete die Welt.

Neuseeland, Indien, Südafrika – Bölle ist umhergekommen. In Brasilien lernte er seine Frau kennen. Das Paar lebt heute im Westhavelland.

2015 kehrte er zurück und wurde Schulsozialarbeiter an der Weinberg-Grund­schule in Rathenow.

Bevor er in Friesack anfing, arbeitete er seit 2016 beim IKW mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen.

Die Kooperationsschule ist eine Oberschule mit Berufsfrühorientierung und inte­grierter Grundschule und angegliederten Förderklassen. Träger ist der Land­kreises Havelland. Matthias Bölle ist hier im sozialen Bereich kein Einzelkämpfer.

Er arbeitet eng mit Aline Scherbenske von der LEB zusammen, die im Rahmen des Programms „Jugend stärken im Quartier“ an der Schule tätig ist. Außerdem gehören Dieter Heuer und Vanessa Tantius, ebenfalls von der LEB, zum Team. Sie kümmern sich um die Berufseinstiegsbegleitung.

„Die Schule macht in diesen Bereichen sehr viel“, lobt der studierte Schulsozial­arbeiter. Allerdings würden das nur wenige wissen. Das will Matthias Nobre de Farias Bölle in Zukunft ändern. Und er hat sich noch viel mehr vorgenommen. In erster Linie will er natürlich die knapp 400 Schüler beraten und begleiten.

Ansprechpartner für knapp 400 Schüler

Dazu gehört für ihn auch Gruppenarbeit in Form von Projekten und Arbeitsgemein­schaften. Zudem will er den Eltern Weiterbildungsangebote unterbreiten, zum Beispiel zum Thema Drogen oder Umgang mit Medien. „Dazu möchte ich externe Experten an die Schule holen“, so Bölle.

Auch die Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den knapp 40 Lehrkräften ist Teil seiner Arbeit. Ebenso wie die Kooperation mit externen Partnern – vom Jugendamt über Vereine bis zu anderen Schulsozialarbeitern, mit denen er sich austauschen will .

Die Kooperationsschule hat mit dem gebürtigen Rathenower nun einen erfahrenen Mitarbeiter im Team, der auf ein recht großes Netzwerk an Partnern und mögli­chen Unterstützern zurückgreifen kann.

Das erste große Projekt: Eine Gerechtigkeitskonfe­renz

Einige Kontakte hat Matthias Nobre de Farias Bölle bereits genutzt, um ein großes Projekt anzuschieben. „Ich möchte eine Gerechtigkeitskonferenz an unserer Schu­le auf die Beine stellen und zwar mit dem Oberstufenzentrum und weiteren Kultur­partnern“, so Bölle.

Schon bei der Konzeptentwicklung sollen die Jugendlichen einbezogen werden. Sein Ziel ist es, das Thema Gerechtigkeit über mehrere Monate in die Schule zu bringen, zum Beispiel mit Hilfe künstlerischer Beiträge. „Es könnte ein Online-Magazin entstehen, ähnlich der Live your Life, dem früheren Rathenower Jugendmagazin. Auch die Wiederbelebung der Schulband könnte ich mir vorstellen und dazu viele kleine Initiativen, die sich mit dem Thema befassen.“

Bis Ende des Jahres soll das Konzept stehen. Er hofft auf eine Unterstützung des Deutschen Kinderhilfswerks. Fördermittel in Höhe von 25000 Euro stehen in Aus­sicht. Sollte alles klappen, könnte das Projekt im Februar beginnen.

Matthias Nobre de Farias Bölle hat sich auch vorgenommen, die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nach Friesack zu holen und das soziale Lernen noch stärker zu fördern. Seine neuen Kollegin wollen ihn bei diesen Vor­haben unterstützen. „Ich kann gar nicht glauben, wie schnell sich alles ge­staltet, wie gut das Team hier funktioniert und wie offen alle sind“, sagt Matthias Bölle nach knapp vier Wochen im neuen Job.

Von Christin Schmidt